CommunitE

14.04.2026

Verteilnetzbetreiber im Check: Nur wenige ermöglichen gemein­schaftliche Solartstromnutzung in Mehrfamilienhäusern

Der Krieg im Nahen Osten zeigt: Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen schadet Deutschland. Wir müssen mehr Energie selbst produzieren. Eine Möglichkeit dazu sind gemeinschaftlich betriebene Solaranlagen auf den Dächern von Mehrfamilienhäusern. Solche Anlagen könnten in Deutschland insgesamt 60 Gigawatt Strom erzeugen. Viele Bürger*innen und engagierte Initiativen vor Ort stehen in den Startlöchern, doch sie werden bisher ausgebremst. Das zeigt eine große Umfrage des 1000 GW Instituts mit dem Bündnis Bürgerenergie. Danach bieten nur wenige Verteilnetzbetreiber praxistaugliche Lösungen an für das Teilen von Strom über Mieterstromprojekte und die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung.  Die überwiegende Mehrzahl der Netzbetreiber blockiert dagegen die gemein­schaftliche Vor-Ort-Versorgung.   Die Bundesregierung und die Aufsichtsbehörde der Netzbetreiber müssen mehr Engagement zeigen, damit solche Kraftwerksprojekte in der Breite möglich sind. 

Solardachanlagen könnten Deutschland unabhängiger machen von Energielieferungen aus dem Ausland − da kann niemand den Ölhahn abdrehen. Die einzelnen Anlagen sind klein, doch zusammen haben sie ein gewaltiges Potential. Ende 2024 waren erst 0,5 Prozent der nutzbaren Dachflächen auf Mehrfamilienhäusern (MFH) in Deutschland tatsächlich mit Solaranlagen bestückt. Würden alle Dachflächen genutzt, könnten sie 60 Gigawatt Strom erzeugen. Zum Vergleich: Alle Kohlekraftwerke in Deutschland bringen es zusammen auf 23 Gigawatt Leistung1. 

Doch diese große Vision wird ausgebremst. Eine Umfrage des 1000 GW Institut mit dem Bündnis Bürgerenergie zeigt: Engagierte Bürger*innen scheitern immer wieder an der Behäbigkeit vieler Netzbetreiber. Oftmals liegt es an unzureichender Digitalisierung. 

In der Umfrage konnten Praktiker*innen von Solarstromkonzepten auf MFH ihre Erfahrungen mit dem zuständigen Verteilnetzbetreiber bewerten und kommentieren. Von den 50 Netzbetreibern, zu denen es in der Umfrage Rückmeldungen von gab, wurde kein einziger als „Champion“ eingestuft, der alle gesetzlichen Pflichten erfüllt und das Teilen von Solarstrom innerhalb von Mehrfamilienhäusern ermöglicht. Nur fünf Netzbetreiber wurden als „Unterstützer“ bewertet, die immerhin das Notwendigste tun, um solche Anlagen zu ermöglichen. 44 Netzbetreiber bewertet die Auswertung als „Verzögerer“, die den Bau von Gemeinschaftskraftwerken bremsen. Und ein Netzbetreiber fiel komplett durch − er wurde in der Studie als „Verhinderer“ bewertet eingestuft. 

„Das Bündnis Bürgerenergie hat mit dieser Umfrage sicht- und greifbar gemacht, was gemeint ist, wenn vom ‚Flickenteppich der Verteilnetzbetreiber‘ in Deutschland gesprochen wird: Rund 100 Rückmeldungen zeigen ein breites Spektrum – von IT-Problemen, Intransparenz und fehlender Erreichbarkeit bis hin zu einigen engagierten Netzbetreibern, die Mieterstrom aktiv ermöglichen. Wir wünschen uns mehr von letzteren – durch die richtigen Anreize aber auch durch Druck und notfalls Kompetenzübertragung. Dann kann Mieterstrom sein volles Potenzial als Baustein einer bürgernahen Energiewende entfalten,“ sagt Robert Busch Geschäftsführer des Bundesverband Neue Energiewirtschaft. 

Aber es gibt auch Netzbetreiber, die sich auf den Weg gemacht haben, um Mieterstrom mit virtuellem Summenzähler und die Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung umzusetzen. Zu den „Unterstützern“ gehört auch Stromnetz Berlin mit 2,2 Millionen versorgten Haushalten. Während in vielen Netzen die Prozesse hinter den Kulissen immer noch händisch abgewickelt werden, ist der Berliner Netzbetreiber dabei, die Prozesse zu automatisieren.  

Was muss sich ändern, damit in Deutschland Solarstrom innerhalb eines MFH geteilt werden kann? 

1.) Die Bundesnetzagentur muss dafür sorgen, dass die Versorgungsnetzbetreiber ihren gesetzlichen Pflichten endlich nachkommen. 

Mit dem Mängelmelder für Post- und Paketdienste können bei der Bundesnetzagentur Probleme oder Unregelmäßigkeiten gemeldet werden. Genau das braucht es auch für Netzbetreiber, die Mieterstromanlagen und Gemeinschaftlicher Gebäudeversorgung blockieren. Außerdem muss die Bundesnetzagentur leichtverständlich erklären, welche Rechtsansprüche und Beschwerdemöglichkeiten Bewohner*innen in MFH haben. Die Behörde sollte auch selbst tätig werden: Sie muss die Verteilnetzbetreiber schriftlich an ihre Pflichten erinnern, und nach sechs Monaten überprüfen, ob sie der Aufforderung nachgekommen sind. 

2.) Die Bundesregierung muss Stromzähler in Mehrfamilienhäusern bezahlbar machen

Die Messgerätkosten sind in Deutschland besonders hoch und für MFH schwer nachzuvollziehen: Für ein Haus mit 10 Parteien,die Solarstrom teilen, fallen über 10 Jahre bis zu 10.000 EUR  an. Damit fressen die Kosten für die Smart Meter praktisch die gesamten Einsparungen wieder auf, die man durch den Betrieb der Solaranlage erzielt. Der Gesetzgeber sollte dafür sorgen, dass die zusätzlichen Kosten für den “freiwilligen” Einbau eines Smart Meters lediglich pro Gebäude und nicht wie bisher pro Stromzähler und somit Teilnehmer*in anfallen, und dass zusätzliche Kosten für die Datenbereitstellung entfallen.  

Kräfte bündeln und EEG-Novelle: Digitalisierung vorantreiben und Dach-PV weiter ermöglichen

„Zwei Jahre nach Inkrafttreten der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung setzen erst fünf von 866 Netzbetreibern die nötigen internen Prozesse um. Wir fordern die Netzbetreiber auf, ihre Kräfte zu bündeln und die erforderlichen Prozesse gemeinsam zu etablieren. Unsere Umfrage zeigt: Es haben sich Netzbetreiber bereits auf den Weg gemacht hat.“, sagt Valérie Lange, Leiterin Energiepolitik und Regulierung beim Bündnis Bürgerenergie. 

Mit Blick auf die anstehende EEG-Reform und den drohenden Wegfall der Einspeisevergütung für Dach-PV fordert Maximilian Weiß, Referent Energiepolitik bei Green Planet Energy: „Wir dürfen Millionen Mieterinnen und Mieter nicht von der Energiewende abhängen. Dafür braucht es gerade jetzt angesichts einer neuen fossilen Energiekrise endlich Netzbetreiber, die ihre Hausaufgaben machen und stabile Förderbedingungen anstelle des geplanten Solarförderstopps.”

Auswertung der Umfrage des 1000 GW Instituts

Politischen Handlungsempfehlungen des BBEn

Ergebnisse der Umfrage

Ihr Ansprechpartner

Harald Uphoff

Vorstand Politik

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