CommunitE

22.07.2026

EEG 2027 und Netzanschlusspaket: Bürgerenergie bleibt ausgebremst

Berlin, 22. Juli 2026 – Das Bündnis Bürgerenergie e. V. (BBEn) hat heute seine Stellungnahmen zum Entwurf des EEG 2027 und zum Netzanschlusspaket veröffentlicht. Trotz einiger Änderungen gegenüber den im Frühjahr bekannt gewordenen Plänen bleibt die grundlegende Ausrichtung für Bürgerenergiegemeinschaften fatal: Sie verlieren Planungssicherheit und werden bei der Entwicklung neuer Projekte weiter ausgebremst.  

Die zuständigen Ministerien haben einzelne Fehlentwicklungen korrigiert und einige Hürden abgesenkt. Der Weg für Bürgerenergie bleibt dennoch blockiert. „Bürgerenergie mobilisiert privates Kapital, lokale Verantwortung und gesellschaftliche Unterstützung für die Energiewende. Sie schafft regionale Wertschöpfung und stärkt Kommunen sowie den ländlichen Raum und macht demokratische Beteiligung vor Ort konkret erlebbar. Wer diese Wirkung erhalten will, darf Bürgerinnen und Bürger nicht aus dem Markt drängen. Genau das droht aber weiterhin“, erklärt Harald Uphoff, Vorstand Politik und Kommunikation des Bündnis Bürgerenergie.  

Besonders deutlich zeigt sich das bei kleinen Photovoltaikanlagen. Die verlängerte Übergangszahlung verschiebt das Problem lediglich. Danach sollen Anlagenbetreiber ihren überschüssigen Strom direkt vermarkten, unentgeltlich abgeben oder ganz auf die Einspeisung verzichten. Massentaugliche Direktvermarktungsangebote für Kleinanlagen gibt es bislang nicht. Eine kalendarische Frist schafft keinen funktionierenden Markt. Direktvermarktung darf erst dann verpflichtend werden, wenn entsprechende Angebote tatsächlich verfügbar und wirtschaftlich nutzbar sind. Andernfalls verlieren insbesondere kleinere Dach- und Mieterstromprojekte ihre Investitionsgrundlage.  

Auch bei Windenergie und Netzanschluss bleibt Bürgerenergie strukturell benachteiligt. Komplizierte Voraussetzungen und die dreijährige Sperre für weitere Projekte verhindern eine kontinuierliche Projektentwicklung.  

Im Netzanschlusspaket richtet sich die Kritik vor allem gegen den sogenannten Redispatch-Vorbehalt: Netzbetreiber sollen ganze Netzgebiete als kapazitätslimitiert ausweisen können; neue Anlagen erhalten dort einen Anschluss nur noch, wenn sie auf Entschädigung für Abregelungen verzichten. Zwei unabhängige Rechtsgutachten halten das für europarechtswidrig. Das BBEn fordert die ersatzlose Streichung. Bürgerenergiegesellschaften trifft das besonders hart, weil sie lokal verankert sind und ihre Projekte nicht einfach in ein anderes Netzgebiet verlagern können. Darüber hinaus schafft das Netzanschlusspaket keine Augenhöhe zwischen Netzbetreibern und Projektierenden: Ein zu langsamer Netzausbau bleibt für Netzbetreiber weitgehend folgenlos, während die Risiken bei denjenigen liegen, die konkrete Anlagen errichten wollen.  

Die Bundesregierung stellt damit weiterhin nicht die Frage, wie Bürgerenergiegemeinschaften Investitionen, Beteiligung und regionale Wertschöpfung ermöglichen können, sondern behandelt dezentrale Akteure vor allem als vermeintliches Kosten- und Steuerungsproblem. Dazu passt, dass der seit 2023 gesetzlich vorgesehene Bürgerenergiebericht der Bundesnetzagentur ersatzlos gestrichen werden soll. Vorgelegt wurde er bislang kein einziges Mal.  

„In einer Zeit, in der viele Menschen sich politisch nicht gehört und von Entscheidungen abgehängt fühlen, ist es fatal, ausgerechnet demokratisch organisierte Bürgerenergiegemeinschaften zu schwächen. Energiegenossenschaften machen Mitbestimmung und gemeinsames Handeln vor Ort erlebbar. Dass die Bundesregierung zugleich einen Bürgerenergiebericht streicht, den sie nie vorgelegt hat, ist bezeichnend. Dann werden wir im Herbst wohl selbst zeigen müssen, wie es um die Bürgerenergie in Deutschland steht“, so Uphoff.  

Das Bündnis Bürgerenergie fordert den Deutschen Bundestag auf, die Entwürfe grundlegend zu korrigieren. Direktvermarktung darf für kleine Anlagen erst dann verpflichtend werden, wenn ein funktionierender Markt besteht. Bürgerenergiegesellschaften brauchen zudem praktikable Regeln für Windprojekte und wirksame Rechte beim Netzanschluss.  

  

Die Stellungnahme des Bündnis Bürgerenergie zum EEG 2027

Die Stellungnahme des Bündnis Bürgerenergie zum Netzanschlusspaket

EEG 2027 und Netzanschlusspaket: Bürgerenergie bleibt ausgebremst

Ihr Ansprechpartner

Harald Uphoff

Vorstand Politik

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