27.08.2026
Wärmenetzpaket: Strategie für gemeinschaftliche Wärmenetze fehlt
Berlin, 27. August 2026 – Das Bündnis Bürgerenergie (BBEn) erkennt in den Eckpunkten des Wärmenetzpakets keine klare Strategie für die Stärkung kleiner Wärmenetze in Bürger*innenhand. Die Bundesregierung verabschiedete am Mittwoch im Rahmen ihrer Kabinettsklausur die Eckpunkte eines Wärmepakets, welches Reformen in der Wärmeregulatorik vorsieht. Die geplanten Reformen bringen Bewegung in die Dekarbonisierung der Fernwärme. Zu kurzkommen dabei aus Sicht des BBEn jedoch kleine, gemeinschaftliche Nahwärmenetzbetreiber. Im weiteren Prozess müssen die besonderen Bedarfe von Bürgerenergiegemeinschaften (BEGs) stärker berücksichtigt werden.
„Was fehlt, ist eine Strategie für kleine und gemeinschaftliche Nahwärmeversorger. Die Bundesregierung darf nicht die Chance verpassen, kleine gemeinschaftliche Wärmenetze zu stärken - sonst drohen genau die Projekte zu kippen, die lokal, bezahlbare und erneuerbare Wärme bereitstellen”, erklärt Harald Uphoff, Vorstand Politik und Kommunikation.
Gerade im ländlichen Raum spielt die leitungsgebundene Wärmewende in Bürger*innenhand eine entscheidende Rolle. Nahwärmenetze stellen dort häufig die wirtschaftlichste Wärmeversorgungsoption dar. Sie erleichtern Kommunen, die Wärmeplanung umzusetzen und schaffen gleichzeitig Wertschöpfung vor Ort.
Vor diesem Hintergrund bewertet das BBEn besonders kritisch, dass weiterhin keine Regelung für die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) in Aussicht gestellt wird. Die größte Herausforderung für gemeinschaftliche Wärmeprojekten bleibt die Finanzierung. Ohne ausreichend Planungs- und Finanzierungssicherheit werden viele gemeinschaftliche Nahwärmenetze in Bürger*innenhand scheitern.
Banken bewerten genossenschaftliche Wärmeprojekte häufig als riskant und erkennen Wärmenetze häufig nicht als Sicherheit an. Fördermittel sind daher ein entscheidender Bestandteil der Finanzierung von Wärmenetzen. „Bürgerenergiegemeinschaften warten teils mehr als ein Jahr auf den BEW-Förderbescheid der BAFA, um mit ihren Projekten loszulegen. Das ist kostbare Zeit, in der potenzielle Kund*innen drohen abzuspringen und die Transformation vor Ort ins Stocken gerät“, erklärt Uphoff. Das BBEn fordert daher, die BEW zeitnah gesetzlich zu regeln und die Bearbeitung von Förderanträgen deutlich zu beschleunigen. Zudem fordert das BBEn, dass Wärmegemeinschaften die BEW-Förderung mit anderen Mitteln kumulieren dürfen, damit Projekte sicher umgesetzt werden können.
Rund 300 Bürgerenergiegemeinschaften betreiben bereits heute Wärmenetze in Deutschland und versorgen tausende Haushalte mit Wärme aus lokalen erneuerbaren Quellen. Gemeinschaftliche Wärmenetze werden von Bürger*innen vor Ort finanziert, getragen und betrieben und tragen erfolgreich zur lokalen Wärmewende und Wertschöpfung bei. Mit einem Umsetzungspotenzial von 8.000 Wärmenetzen in ganz Deutschland. Zugleich entlasten sie Stadtwerke und Kommunen, die den massiven Investitionsbedarf der Wärmewende allein nicht stemmen können.
