25.02.2026
Wärmewende braucht Planungssicherheit – Heizungsgesetz-Eckpunkte gefährden gemeinschaftliche Nahwärme
Berlin, 25.02.2026: Das Bündnis Bürgerenergie e.V. (BBEn) bewertet die Eckpunkte zum neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG, „Heizungsgesetz“) kritisch. Die geplante Streichung der 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien beim Heizungstausch sowie die Einführung einer moderaten Grüngasquote schaffen aus Sicht des Verbandes keine verlässlichen Rahmenbedingungen für die Wärmewende.
„Die Streichung der 65-Prozent-Vorgabe verunsichert Hauseigentümer*innen massiv. Sie untergräbt Planungssicherheit und wiegt viele Menschen in einer falschen Sicherheit“, erklärt Harald Uphoff, Vorstand Politik des Bündnis Bürgerenergie. „Wer heute erneut in eine fossile Heizung investiert, trifft eine Entscheidung für Jahrzehnte – ohne zu wissen, ob und zu welchen Kosten diese Strategie künftig tragfähig ist.“
Besonders kritisch bewertet das BBEn die vorgesehene Grüngasquote. Zwar soll fossilem Erdgas schrittweise ein wachsender Anteil klimafreundlicher Gase beigemischt werden. Doch weder ist klar geregelt, wie schnell und in welchem Umfang tatsächlich ausreichend grünes Gas verfügbar sein wird, noch ist absehbar, zu welchen Preisen es angeboten werden kann.
„Die Quote vermittelt den Eindruck, Gasheizungen seien langfristig klimaneutral betreibbar. Tatsächlich weiß heute niemand, ob genügend Biomethan oder synthetische Gase für Millionen Gebäude zur Verfügung stehen werden – und was sie kosten“, so Uphoff. „Ohne klare Verpflichtungen der Gasversorger und ohne einen verbindlichen Pfad zu 100 Prozent grünem Gas spätestens bis 2045 bleibt das ein Instrument nach dem Prinzip Hoffnung. Das ist keine Planungssicherheit, sondern ein Risiko“
Das Bündnis Bürgerenergie begrüßt, dass die Bundesregierung den Ausbau von klimafreundlichen Wärmenetzen laut der Eckpunkte vorantreiben möchte. Dieses Ziel wird jedoch konterkariert durch die fehlende Klarheit. Wenn Hausbesitzer*innen darauf setzen, ihre bestehende oder neue Gasheizung künftig einfach mit „grünem Gas“ weiterbetreiben zu können, sinkt die Bereitschaft, sich an gemeinschaftlichen Wärmelösungen zu beteiligen. Geringere Anschlussquoten verteuern jedoch die Projekte für alle Beteiligten oder machen sie wirtschaftlich unmöglich.
Dabei spielen Bürgerenergiegenossenschaften eine zentrale Rolle in der Wärmewende. Sie schließen die Lücke zwischen Fernwärmenetzen großer Versorger und individuellen Einzellösungen wie Wärmepumpen, mobilisieren privates Kapital vor Ort und sorgen für hohe Akzeptanz. Rund 300 Bürgerenergiegemeinschaften versorgen bereits heute tausende Menschen mit erneuerbarer Nahwärme.
Zugleich steht Bürgerenergie für eine sozial gerechte Wärmewende. Genossenschaften achten darauf, dass auch Haushalte mit geringem Einkommen Zugang zu bezahlbarer, erneuerbarer Wärme erhalten. Solidarische Finanzierungsmodelle und transparente Preisgestaltung sind zentrale Prinzipien. Wenn jedoch politische Rahmenbedingungen unsicher werden und Anschlussquoten sinken, geraten gerade diese sozialen Modelle unter Druck.
„Die Wärmewende gelingt nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort“, betont Uphoff. „Dafür braucht es verlässliche politische Leitplanken, Investitionssicherheit und klare Ausbaupfade für erneuerbare Wärme. Die vorliegenden Eckpunkte schaffen diese Sicherheit nicht – sie verlängern die Unsicherheit und bremsen gemeinschaftliche Lösungen aus.“
