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05.05.2026

Energiewende im Mehrfamilienhaus stockt: Verbändebündnis fordert konsequente Durchsetzung der Pflichten der Verteilnetzbetreiber bei der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung durch die BNetzA

Berlin, 05.05.2026 – Ein Bündnis aus Energiewirtschaft, Solarbranche, Umweltverbänden und Bürgerenergie fordert die Bundesnetzagentur auf, die Umsetzung der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung (GGV) aktiver zu begleiten und ihre Aufsichtsfunktion gegenüber Verteilnetzbetreibern konsequenter wahrzunehmen. In einem offenen Brief appellieren das Bündnis Bürgerenergie, der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne), die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), die Deutsche Umwelthilfe (DUH), das Netzwerk Energiewende Jetzt und Germanwatch an die Regulierungsbehörde, bestehende Vollzugsdefizite zügig zu beheben. 

Hintergrund ist die Auswertung einer bundesweiten Umfrage des Bündnis Bürgerenergie in Kooperation mit dem 1000 GW Institut unter Praktiker*innen, wie Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung durch Verteilnetzbetreiber praktisch umgesetzt wird. Das Ergebnis zeigt ein ernüchterndes Bild: Zwar gibt es erste Netzbetreiber, die bereits praktikable Lösungen geschaffen haben. Insgesamt bleibt die flächendeckende Umsetzung jedoch die Ausnahme. Von 50 bewerteten Verteilnetzbetreibern erreicht kein einziger die Kategorie „Champion“, lediglich fünf werden als „Unterstützer“ eingestuft, während die große Mehrheit bei der Umsetzung deutlich hinter den gesetzlichen Möglichkeiten zurückbleibt.  

„Die gute Nachricht ist: Einige Verteilnetzbetreiber zeigen, dass praktikable und kundenfreundliche Lösungen für die Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung heute schon möglich sind. Diese Vorreiter beweisen, dass es geht. Leider sind sie bislang die seltene Ausnahme. Jetzt kommt es darauf an, dass aus einzelnen Leuchttürmen ein bundesweiter Standard wird“, erklärt Harald Uphoff, Vorstand Politik des Bündnis Bürgerenergie. 

Die Untersuchung zeigt zugleich, dass fehlende oder unklare Prozesse bei vielen Verteilnetzbetreibern weiterhin ein zentrales Hindernis für die Umsetzung darstellen. Rund 60 Prozent der Befragten nennen Probleme mit dem zuständigen Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber als größte Herausforderung – etwa wegen fehlender Zuständigkeiten, mangelnder Verbindlichkeit in der Kommunikation oder dem Hinweis auf nicht angepasste IT-Systeme.  

Flavia Röhrs, Referentin für dezentrale Erzeugung, Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne), sagt: „Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung und der günstige virtuelle Summenzähler sind gesetzlich vorgeschrieben, ihre Umsetzung für Netzbetreiber eine Pflicht: Kommt eine Anfrage dazu, hat der Netzbetreiber diese möglich zu machen. Tut er es nicht, muss es einen Beschwerdeweg geben.“ 

Peter Eckert, Geschäftsführer, Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), erklärt: „Die Dächer von Mehrfamilienhäusern bieten mit 60 Gigawatt ein enormes Potenzial für die Solarenergienutzung. Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung eröffnet Millionen Menschen erstmals einen fairen Zugang zu lokal erzeugtem Solarstrom – dieses Potenzial muss jetzt in die Breite gebracht werden.“ 

Um die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben sicherzustellen, schlagen die unterzeichnenden Organisationen gegenüber der Bundesnetzagentur konkrete Maßnahmen vor: 

  • die Veröffentlichung verständlicher FAQ zu Pflichten von Verteilnetzbetreibern und grundzuständigen Messstellenbetreibern, zu Rechtsansprüchen und Beschwerdewegen,  
  • die proaktive Ansprache der Netzbetreiber über ihre gesetzlichen Pflichten, verbunden mit einer Stichprobenprüfung der Umsetzungsfähigkeit binnen sechs Monaten,  
  • die Einrichtung eines Mängelmelders für Vor-Ort-Versorgung nach Vorbild des Meldesystems für Postbeschwerden,  
  • sowie Anreize für vorbildliche Umsetzung im Rahmen der Anreizregulierung.  

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutsche Umwelthilfe (DUH), betont: „Die Energiewende muss endlich auch bei Mieterinnen und Mietern ankommen. Solarstrom vom Dach eines Mehrfamilienhauses darf nicht an fehlenden Prozessen oder mangelndem Willen einzelner Netzbetreiber scheitern. Die Bundesnetzagentur muss jetzt klarstellen: Gesetzliche Vorgaben gelten überall – und sie müssen konsequent durchgesetzt werden.“ 

Henri Schmitz, Referent für Energiepolitik und Gesellschaft, Germanwatch, ergänzt: “Vor-Ort-Versorgungsmodelle bergen enorme Potenziale für den Zubau von Erneuerbaren und die gesellschaftliche Teilhabe. Daher braucht es zusätzliche Maßnahmen, um die Verteilnetze fit zu machen für die praktische Umsetzung.” 

Mit ihrem offenen Brief verbinden die unterzeichnenden Organisationen die Einladung an die Bundesnetzagentur zu einem zeitnahen Austausch über die Ergebnisse der Untersuchung und die notwendigen regulatorischen Schritte. 

Auswertung der Umfrage des 1000 GW Instituts 

Politische Handlungsempfehlungen des BBEn 

Energiewende im Mehrfamilienhaus stockt: Verbändebündnis fordert konsequente Durchsetzung der Pflichten der Verteilnetzbetreiber bei der Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung durch die BNetzA

Ihr Ansprechpartner

Harald Uphoff

Vorstand Politik

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