„Mit Mut und Überzeugungskraft die dezentrale Energiezukunft weiterentwickeln.“

2. Bürgerenergie-Konvent des Bündnis Bürgerenergie (BBEn) am 25. und 26. September in Erfurt –  Die Erfolgsgeschichte der Energiewende weiterschreiben

Scharf kristisierten die Teilnehmenden die aktuelle Politik der Bundesregierung als „Sanierungsprogramm für die vier großen fossilen Stromkonzerne“. Im Fokus der Kritik stand die geplante Einführung der Ausschreibungspflicht. „Ausschreibungen setzen auf zentrale Steuerung und Verwaltung – und gängeln Bürgerinnen und Bürger“, sagte der Vorstandvorsitzende Dr. René Mono. „Jede und jeder sollte das Recht haben, die öffentlichen Güter Wind und Sonne zur Erzeugung und dem Verbrauch von Energie zu nutzen.“

Resignation war auf dem Konvent nicht zu spüren. „Die Rahmenbedingungen sind schlechter als uns lieb ist. Deswegen müssen wir nicht in Depression verfallen“, sagte Stromrebell Michael Sladek in der Podiumsdiskussion am ersten Tag des Konvents. „Wir haben erreicht, dass die Atomenergie abgeschafft wird – und wir werden auch bei der elementaren Umkehrung des Energiesystems erfolgreich sein.“ Das Energiesystem werde sicher, dezentral und erneuerbar funktionieren. Das in die Köpfe der Menschen zu bringen, sei die große Aufgabe der Bürgerenergie.

Vorrang für Bürgerstrom
Der derzeitige bundespolitische Trend ist klar: Weg von dezentralen Vermaktungskonzepten für Strom aus Erneuerbaren Energien. Aktuelles Beispiel ist das geplante neue Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz, das keine Förderung von direktgenutzten Strom vorsieht. Die Politik fürchte den Kontrollverlust, so die Einschätzung des BBEn-Vorstandsvorsitzenden Dr René Mono. „Direktversorgung mit Bürgerstrom soll Vorrang haben“, ist hingegen die Position des Bündnisses Bürgerenergie. Eine persönliche Beziehung der Menschen zum Gut Strom sei wichtig – und „dafür ist Bürgerstrom eine fantastische Gelegenheit.“

Neue Chancen für die Bürgerenergie sieht BBEn-Vorstand Dr. Thomas Banning vor allem im Wärme- und dem Effizienzmarkt. Das bestätigt die aktuelle Studie „Energiesparen in Bürgerhand“ im Auftrag von BUND und Bündnis Bürgerenergie, die Dr. Martin Pehnt vom Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) vorstellte. Bürgerschaftliches Engagement habe ein enormes Potenzial bei der „Energieeffizienzwende“, sei es bei der energetischen Sanierung von Schulgebäuden, bei stromsparender Beleuchtung in Unternehmen und öffentlichen Liegenschaften oder dem Bau und Betrieb von Nahwärmenetzen.


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Bürgerenergie bringt es
Zehn gesellschaftliche und wirtschaftliche Nutzeffekte der Bürgerenergie hat eine aktuelle Studie im Auftrag des BBEn und Greenpeace Energy ermittelt. „Harte, nachweisbare Vorteile“, wie Marcel Keiffenheim, Aufsichtsrat des Bündnisses, referierte: Bürgerenergie erhöht die Akzeptanz von Erneuerbaren Energien Projekten. Sie sorgt für Mitbestimmung und Identifikation mit der eigenen Kommune oder Region und bringt Intelligenz und Innovationskraft in die Energiewirtschaft. Zudem erhält oder schafft Bürgerenergie durch Erneuerbare Energien-Projekte jährlich bis zu 113.600 Vollzeitarbeitsplätze, und hat allein im Jahr 2012 eine Wertschöpfung von 5,3 Milliarden Euro in die Regionen gebracht.

In den Vorträgen und Foren oder auf dem „Open Stage“ zeigte sich: Die Menschen vor Ort bringen die dezentrale Energiewende mit Ideenreichtum und Engagement voran. „Wir müssen radikaler werden“, sagte „Sonnenflüsterer“ Erhard Renz in einem Forum am Samstag, als er die Kampagne „Solar2go“ vorstellte. Das Steckdosenmodul „Solar2go“ ist die Solaranlage für den Balkon, mit der auch Mieter direkt Strom produzieren und verbrauchen können, ganz ohne EEG. Renz berichtete von den teilweise skurrilen Argumenten und Hürden, mit denen Netzbetreiber den „Guerillastrom“ verhindern wollen.


„Wir wollen den ganzen Kuchen“

Für mich ist das wichtigste Thema, wie Bürgerenergie trotz der politischen Rahmenbedingungen ihren Weg findet, die gesellschaftliche Stimmung umzudrehen und für die Energiewende zu werben.
Ich werde mich stärker um das Mobilisieren von Aktiven kümmern. Auf dem Open Stage hat die Oldenburger Energiegenossenschaft ein Handylade-Solarkraftwerk vorgestellt, das sie bei Infoständen einsetzen. Das bestelle ich.
Michael Welz von der Bürgerenergie Thüringen hat etwas Zentrales gesagt: „Wir geben uns nicht mit dem Wenigen zufrieden. Wir wollen den ganzen Kuchen.“ Diesen Anspruch müssen wir formulieren.

Lisa Badum, Bürgerenergie Bayern e.V.


Die Macht der Verbundenheit
Wie die gebündelte Kraft von Menschen „PROKON für die Energiewende in Bürgerhand gerettet hat“, berichtete Wolfgang Siegel, Vorsitzender der „Freunde von PROKON e.V.“ und stellvertretender Aufsichtsrat der PROKON Regenerative Energien eG. Er beleuchtete, wie durch ein klares Kozept und vor allem die Macht der Verbundenheit aus einem insolventen Unternehmen die größte Energiegessenschaft Deutschlands wurde. Die Erfolgsgeschichte ist für Siegel übertragbar: „Die bewusste Gestaltung von Gemeinsamkeit, die sich nicht gegen Dritte richtet und die mit den Dissonanzen und Ängsten gut umzugehen versteht, zieht die Menschen an.“


„Der Konvent ist für mich ein Motivator“

Bürgerenergie ist ein Solidaritätsthema. Das ist auf dem Konvent lebendig geworden. Alle Bürgerenergie-Akteure wollen nicht nur die Energiewende sondern die Gesellschaft im Sinne des Gemeinwohls entwickeln.
Der Konvent ist für mich ein Motivator durch die vielen Kontakte, die spannenden Ideen, etwa heute in einem Forum, wie wir mit knappen Bildern Menschen die Energiewende erklären können.
Für den nächsten Konvent wünsche ich mir, dass der demokratische Charakter noch stärker erlebbar wird und wir zum Beispiel gemeinsam strategische Themen des Bündnisses selbst diskutieren.

Nicolai Ferchl, Heidelberger Energiegenossenschaft


Neue Räte für Bürgerenergie
Am Samstag wählte der Konvent sechs neue Räte für Bürgerenergie. Im nun 14köpfigen Rat sind Menschen, die sich wissenschaftlich oder praktisch mit Bürgerenergie beschäftigen. Sie geben dem Bündnis wichtige Impulse und tragen das Thema Bürgerenergie in viele gesellschaftliche Bereiche. Die neuen Ratsmitgieder sind: Iris Degenhardt-Meister (BEG BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen), Beate Petersen (mehrere Genossenschaften, Wuppertal), Daniel Knoll (EnerGeno Heilbronn-Franken eG), Wolfgang Siegel (Prokon eG), Malte Zieher (solar popular eG, Bremen sowie Bürgersolaranlagen Sandhausen GbR), Volker Quaschning (Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin). 


 „Die Begeisterung nehme ich mit“

Den Ideenreichtum und die große Begeisterung, mit der wir das gemeinsame Ziel Energiewende trotz aller Hindernisse verfolgen, finde ich erstaunlich. Diese Begeisterung nehme ich mit, denn sie kommt im Alltag manchmal abhanden.
Überzeugt haben mich die Balkon-Solarmodule. Das ist Energiewende, die für jeden umsetzbar ist, in der Stadt, auf dem Land, ob man ein Dach hat oder nicht. Ich werde selbst so ein Modul auf den Balkon setzen und möchte mit der Genossenschaft eine Aktion machen und über „Solar2go“ informieren.

Brigitte Korpok , BEG-SW Bürgerenergiegenossenschaft eG


Bündnis als Vermittler der Bürgerenergie
„Wir haben es geschafft, dass Bürgerenergie eine Größe in der öffentlichen Diskussion geworden ist“, blickte der Vorstandsvorsitzende Rene Mono am Samstag selbstbewusst auf die Gründungsphase des Bündnisses zurück. Nun sieht der Zusammenschluss der Bürgerenergie-Akteure seine Rolle vor allem als Transmitter. „Unsere Aufgabe ist einserseits, der Politik die Innovationskraft und das große demokratische und energiewirtschaftliche Potential der Bürgerenergie zu vermitteln“,so René Mono. „Sie ist andererseits, die Praktiker der Energiewende vor Ort über die politischen Entwicklungen zu informieren und aufzuzeigen, wie Bürgerenerge damit umgehen kann.“


„Die Menschen im Umkreis überzeugen“

Ich treffe hier Gleichgesinnte, Menschen, die dasselbe Ziel verfolgen und es ist spannend zu sehen, wer welche Projekt wie vorantriebt.
Ich nehme Motivation mit nach Hause. Eine wichtige Aufgabe für jeden Einzelnen ist, die Menschen im eigenen Umkreis von der Energiewende zu überzeugen. Da ist noch sehr viel Potential.
Ich werde mir meine Freunde und Bekannten vornehmen. Die will ich überzeugen.  Die Bewegung bei den jüngeren Menschen meiner Generation voranzubringen, da will ich dranbleiben.

Viktoria Liebsack, Bürgerwerke eG


Bürgerenergie ist nicht zu stoppen
Zum Ende des Konvents versammelten sich mehr als 100 Bürgerenergie-Akteure zu einer großen Fotoaktion im Zentrum Erfurts. „Bürgerenergie ist Klimaschutz!“ war die Botschaft anlässlich des internationalen Klima-Aktionstags. Bürgerinnen und Bürger tragen im ganzen Land mit der Errichtung von Erneuerbaren-Anlagen direkt zur Reduktion von klimaschädlichem CO² bei.
Wie sagte Gastgeber Michael Welz vom Netzwerk BürgerEnergie Thüringen am ersten Tag des Konventes: „Das Wesen von Bürgerenergie ist, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.“ Das gilt auch für das große Thema Klimaschutz.


„Im Netzwerk haben wir eine hohe Kompetenz“

Zusammenarbeiten, Synergien nutzen. Bürgerenergiegenossenschaften können sich durch das Bündnis stärken. Dafür brauchen wir alle Kraft und alle Expertise.
Mich haben die hohe Qualität vieler Redebeiträge und die extrem hohe Kompetenz hier im Netzwerk sehr beeindruckt. Wir können viel voneinander lernen und sind gemeinsam viel stärker als jeder für sich alleine.

Michael König, Projektentwickler für Energiegenossenschaften, Strategieberater


"Bürgerenergie ist Klimaschutz"

Foto-Aktion zum Klima-Aktionstag

Bürgerenergie ist nicht zu stoppen. Mehr als 100 Bürgerenergie-Akteure versammelten sich zur großen Fotoaktion im Zentrum Erfurts. „Bürgerenergie ist Klimaschutz!“ war die Botschaft anlässlich des internationalen Klima-Aktionstags.