Lösungen

Bürgerenergie ist die tragende Säule der Energiewende, die wesentlich für den schnellen Ausbau der Erneuerbaren Energien gesorgt hat. Und sie trägt weiter verantwortungsvoll zur Transformation des Energiesystems bei – hin zu einer dezentralen, sauberen, sicheren, bezahlbaren und nachhaltigen Energieversorgung.

Die Erneuerbaren Energien haben den entscheidenden Vorteil, dass sie verbrauchsnah erzeugt werden können. Die dezentrale, bedarfsgerechte Versorgung mit Strom und Wärme aus erneuerbaren Quellen hat deshalb energiewirtschaftlich eine hohe Priorität. Bürgerenergie bietet hier innovative Lösungen für die bedarfsgerechte lokale und regionale Direktversorgung mit Bürgerstrom und -wärme.

Bürgerinnen und Bürger kaufen und betreiben Stromnetze, sie beteiligen sich an Stadtwerken und entwickeln Konzepte der E-Mobilität. Bürgerenergiegesellschaften erproben Modelle für energieeffiziente Beleuchtung in Kommunen, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen. Kurzum: Sie bringen die Energiewende weiter voran.

Direktverbrauch

Der direkte Verbrauch von Solarstrom ist inzwischen vielerorts günstiger als konventioneller Strom aus dem öffentlichen Netz. Viele Stromverbraucher wollen erneuerbaren Strom aus ihrer Umgebung beziehen, können jedoch keine eigene Anlage betreiben. Dafür bieten Bürgerenergiegesellschaften Lösungen. Sie errichten und betreiben Anlagen und liefern Strom an die Verbraucher ohne das öffentliche Netz zu nutzen.

Mieterstrommodell

Die Heidelberger Energiegenossenschaft eG (HEG) hat auf sieben Mehrfamilienhäusern einer Wohnungsgenossenschaft Solaranlagen errichtet und verkauft den dort produzierten Strom an die Bewohner. Das Modell zeigt: Auch Mieter profitieren von günstigem Ökostrom.

Bürgerenergiegesellschaften beliefern kleine und mittlere Unternehmen, Vereine, kommunale Einrichtungen usw. mit günstigem Solarstrom von deren eigenen Dächern. Die Urstrom eG in Mainz versorgt z.B. ein Ökoweingut.

Modell Photovoltaik mieten

Die UniBremenSOLAR eG hat Photovoltaik-Anlagen auf zwei Dächern der Universität gebaut und betreibt sie. Die Universität hat die Anlagen gemietet und bezieht den Solarstrom direkt vom Dach.

Eigenverbrauch

Beim Eigenverbrauch wird selbsterzeugter Strom z.B. aus einer PV-Dachanlage zeitgleich verbraucht. Das ist interessant, weil mittlerweile Photovoltaikanlagen die Netzparität erreicht haben. Die Vergütung nach EEG liegt niedriger als der Strompreis. Privatpersonen können Eigenverbrauch und Einspeisung kombinieren.

Bürgerheizkraftwerke – Strom und Wärme selbst erzeugen

Viele der etwa drei Millionen Mehrfamilienhäuser in Deutschland haben eine schlechte Energiebilanz. Besonders bei Altbauten mit vielen Parteien gibt es ein großes Potential für effiziente Energiegewinnung und -nutzung. Die Solar-Bürgergenossenschaft in Freiburg hat ein Blockheizkraftwerk in einem Mehrfamilienhaus realisiert. 45 Haushalte können so mit Wärme und Strom versorgt werden.

Regionale Direktvermarktung

Die Regionalstrom Franken eG will Energie von Kleinerzeugern aus fränkischen Sonnen-, Wind-, Wasser- oder Biomassekraftwerken vermarkten und ein Regionalstromprodukt für Endkunden auf den Weg bringen. Das EEG 2014 erschwert jedoch die regionale Vermarktung von regional erzeugtem Strom. So kann Strom aus geförderten regionalen Erneuerbaren-Energien-Anlagen nur als Graustrom unbekannter Herkunft vertrieben werden und nicht als Ökostrom.

Die Bürgerwerke sind ein Zusammenschluss von über 50 Energiegenossenschaften, die gemeinsam mehr als 10.000 Energiebürger vereinen und die Energiewende vorantreiben. Als unabhängiger Verbund versorgen die Bürgerwerke Menschen mit Bürgerstrom aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft. Den beteiligten Energiegenossenschaften ermöglichen die Bürgerwerke den Einstieg in die regionale Stromlieferung und schaffen damit Perspektiven für den Bau von neuen Erneuerbare-Energie-Anlagen vor Ort. Das Ziel der Bürgerwerke ist eine erneuerbare, regionale und unabhängige Energieversorgung in Bürgerhand.

Wind

Schon in den 90er Jahren haben Bürgerinnen und Bürger im windstarken Norden Bürgerwindräder und –parks gebaut. Die FrauenEnergiegemeinschaft Windfang eG zum Beispiel hat 1995 ihr erstes Windrad gebaut, mittlerweile sind es elf Anlagen. Auch im windärmeren Süden Deutschlands gibt es zahlreiche Bürgerwindräder. So hat die Energiegenossenschaft in Ingersheim 2012 das erste Bürgerwindrad in Baden-Württemberg in Betrieb genommen.
Der große Vorteil des Bürgerwinds: Die Akzeptanz vor Ort steigt, weil die Menschen selbst von den Windrädern profitieren anstelle von anonymen Investoren.

Nahwärme

Mit den Bioenergiedörfern entwickelte sich in ländlichen Regionen eine weitere Form gemeinschaftlicher Projekte. Bürger finanzieren und bauen gemeinsam Nahwärmenetze und versorgen sich selbst mit Wärme und Strom. Mittlerweile gibt es über 100 Bioenergiedörfer in Deutschland und zahlreiche bürgerschaftliche Nahwärmeprojekte.
In Großbardorf im Landkreis Rhön-Grabfeld sichert eine Biogasanlage die Energieversorgung der knapp 950 Einwohner. Die Spitzenlast deckt ein Hackschnitzelkessel, die Wärme verteilt ein Nahwärmenetz, das die Bürgergenossenschaft Friedrich-Wilhelm Raiffeisen Energie eG Großbardorf gebaut hat.

Stromnetze

In Schönau im Südschwarzwald haben 1997 erstmals in Deutschland Bürgerinnen und Bürger das Stromnetz ihrer Gemeinde übernommen, nach zehnjähriger Bürgerbewegung und zwei Bürgerentscheiden. Aus den Stromrebellen, die bekanntesten sind Michael und Ursula Sladek, ist heute mit den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) einer der ersten Ökostromanbieter in Deutschland geworden. In Berlin ist die BürgerEnergieBerlin eG im Bieterverfahren für die Übernahme der Energienetze.

Die Bürgergenossenschaft Rheinhessen eG hat sich an der Rheinhessen-Energie GmbH beteiligt mit dem Ziel eines gemeinsamen Ökostrom – und Biogasvertriebs.

Stadtwerke mit Bürgerbeteiligung

In Wolfhagen sind die Bürger über die BürgerEnergieGenossenschaft Wolfhagen eG zu 25 Prozent an den Stadtwerken Wolfhagen GmbH beteiligt. Mit dem Windpark, der Ende 2014 in Betrieb genommen wurde, hat die Kommune ihr 100-Prozent-Erneuerbar-Ziel erreicht.

Energieeffizienz

Energieeffizienz ist eine weitere wichtige Säule der Energiewende. Auch hier sind Bürgerenergiegesellschaften aktiv: Sie sorgen für energieeffiziente Beleuchtung in Kommunen, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen, neuer Beleuchtungstechnik in Tiefgaragen, für effiziente Kälteanlagen usw. Die BürgerEnergiegenossenschaft Riss eG realisiert mit der Kommune in Warthausen ein Einspar-Contractingmodell. Die Bürgerinnen und Bürger investieren in moderne energieeffiziente Straßenbeleuchtung und refinanzieren das Projekt aus den Einsparungen. Die Kommune spart über 80 Prozent an Strom und die Kosten für Wartung und Instandhaltung.

Mobilität

Mobil mit Strom aus 100% erneuerbaren Energien. Elektromobilität ist ein Zukunftsmodell der Bürgerenergie – von lokalen Carsharing-Projekten bis zum Betrieb von Stromtankstellen und Ladestationen für E-Bikes. Die ee4mobile EG investiert in Nordfriesland in den Aufbau eines regionalen Netzes mit mittlerweile 45 Stromtankstellen.